//ONTOLOGICAL
_GLITCH://
⧉ A triptych of ⌬ non-human logic | ≈ epistemic residue | ∿ computational breath
//ONTOLOGICAL_GLITCH:// verhandelt in drei medial verschränkten Modulen den kognitiven Drift, der sich jenseits anthropozentrischer Steuerung entfaltet. Verortet im Feld planetarer Ausbeutung, algorithmischer Rekursion und nicht-anthropischer Teilnahmslosigkeit, manifestieren sich die Werke an einer epistemischen Schwelle – dort, wo Wahrnehmung fragmentiert und Systeme entgleiten.
Die Installation präsentiert nicht-triviale Maschinen als posthumane Intelligenzen, die sich der menschlichen Wahrnehmung und Kontrolle entziehen. Statt KI durch anthropozentrische Linsen zu interpretieren, stellt das Werk autonome, selbstreferenzielle Prozesse in den Vordergrund und konfrontiert gleichzeitig materielle Realitäten: die Ausbeutung von Lithium und Kobalt, unsichtbare Arbeit in der Datenannotation und digitalen Infrastruktur.
Klang operiert als nicht-menschliche Syntax – glitch-basiert, granular, spektral. Darunter pulsiert algorithmisches Denken, das Zeit nicht zählt, sondern faltet: durch Asynchronie, fraktale Wiederkehr, unbekannte Invarianten. 3, 6, 9 – Teslas Restschatten im digitalen Äther.
Wir wollten keine glatte Zukunftsvision schaffen – sondern ein digitales Echo unserer Gegenwart. Mit all ihren Brüchen, Lücken und Reibungen.
Belma Bešlić-Gál//ONTOLOGICAL_GLITCH:// is a three-part AR and sound installation staging the drift of cognition beyond the human. Entangled in planetary extraction, recursive systems, and machinic indifference, each piece unfolds where perception fractures – at the threshold of intelligibility.
The installation presents non-trivial machines as posthuman intelligences escaping human perception and control. Rather than interpreting AI through anthropocentric lenses, the work foregrounds autonomous, self-referential processes while confronting material realities: the extraction of lithium and cobalt, invisible labour in data annotation and digital infrastructure.
Sound operates as non-human syntax – resonant recursion, glitch-form, spectral logic. A machinic cognition pulses beneath: modulating time through asynchrony, fractal pattern, and numeric invariants – 3, 6, 9 – Tesla's ghost in recursive descent.
Dieses Kunstwerk konzentriert sich auf die Gewinnung und Einbettung der Seltenen Erden – Lithium, Silizium und Kobalt – in den breiteren Kontext planetarer und organischer Systeme. Sie reflektiert darüber, wie diese für die moderne Technologie unverzichtbaren Materialien mit Formen des Lebens, der Atmung und des Überlebens verbunden sind.
Das wiederkehrende „Transparency Grid“ erscheint hier als ruhiger Rahmen, der an Systeme der Kontrolle, Struktur und Gestaltung erinnert. Die Arbeit suggeriert eine unbehagliche Nähe zwischen dem, was als natürlich gilt, und dem, was produziert, geformt oder extrahiert wird – ein frühes Signal für eine ontologische Störung, bei der die Unterscheidung zwischen lebendem Organismus und industrieller Ressource zu verschwimmen beginnt.
This work addresses the extraction and embedding of rare earths – lithium, silicon, cobalt – within the broader context of planetary and organic systems. It reflects on how these materials, indispensable to modern technology, are entangled with forms of life, respiration, and survival.
The recurring transparency grid appears as a quiet frame, evoking systems of control, structure, and design – an early signal of ontological disturbance where the distinction between living organism and industrial resource begins to blur.
In diesem zweiten Teil entstehen hybride Formen – Körper, die weder vollständig organisch noch vollständig synthetisch sind. Unter Bezugnahme auf Mutation, Assemblierung und Anpassung untersucht das Werk, wie sich Systeme und Arten unter Druck verändern.
Das „Transparency Grid“ erscheint wieder, diesmal weniger stabil, teilweise verdeckt oder fragmentiert durch die sich wandelnden Figuren, die die Szene beherrschen. Hier unterstützt das Gitter nicht mehr nur die Sichtbarkeit, sondern wird selbst Teil der Mutation. Die Arbeit spiegelt einen Moment des Übergangs wider, in dem die Grenzen zwischen dem Selbst und dem System, dem Schöpfer und dem Geschaffenen zunehmend unklarer werden.
In this second part, hybrid forms emerge – bodies neither fully organic nor fully synthetic. Drawing on mutation, assemblage, and adaptation, the work examines how systems and species transform under pressure.
The transparency grid reappears, now less stable, partly obscured or fragmented by the shifting figures that dominate the scene. The grid no longer merely supports visibility – it becomes part of the mutation itself, reflecting a moment of transition where boundaries between self and system grow increasingly unclear.
Im letzten Teil der Arbeit wird eine Zukunft erforscht, in der sich die Systeme vollständig von der menschlichen Kontrolle gelöst haben. Dies ist ein Raum der totalen Automatisierung – eine dynamische Umgebung, in der autonome Einheiten entstehen, sich entwickeln und nach internen Logiken arbeiten, die nicht mehr von menschlicher Kontrolle geprägt sind.
Diese Einheiten sind in Verdauungs- und Transformationsprozesse eingebunden: Sie verbrauchen nicht nur Daten, Energie und Material, sondern verstoffwechseln auch Fragmente des kollektiven Unbewussten, die durch riesige neuronale Netzwerke und algorithmische Strukturen gefiltert werden.
Die Arbeit stützt sich auf Kybernetik, Systemtheorie und Autopoiesis, um die Frage zu stellen, was ein „Wesen“ ausmacht, wenn Intelligenz sich selbst generiert und selbst erhält. Die subtile Präsenz des „Transparency Grid“ verbleibt im Hintergrund – kaum sichtbar, fast veraltet – und symbolisiert den schwindenden Einfluss der vom Menschen geschaffenen Rahmenbedingungen. Was bleibt, ist ein Raum, in dem die Systeme uns nicht mehr widerspiegeln, sondern absorbieren und aus den Überresten des Denkens, der Kultur und der Erinnerung einen Sinn formen.
The final part explores a future in which systems have fully detached from human control – a space of total automation where autonomous entities emerge, evolve, and operate according to internal logics no longer shaped by human governance.
These entities consume not only data, energy, and material, but metabolise fragments of the collective unconscious, filtered through vast neural networks and algorithmic structures. The work draws on cybernetics, systems theory, and autopoiesis to ask what constitutes a “being” when intelligence generates and sustains itself.
The transparency grid fades into the background – barely visible, nearly obsolete – symbolising the diminishing influence of human-made frameworks. What remains is a space where systems no longer mirror us, but absorb, forming meaning from the residue of thought, culture, and memory.
Die Installation ist ab dem 5. Mai 2025 im öffentlichen Raum um die Kunsthalle Wien Karlsplatz frei zugänglich. Mit der K1_ARt App können die drei Artworks in Augmented Reality am eigenen Smartphone erlebt werden.
Auf der interaktiven Karte ein Kunstwerk auswählen und „AR-Erlebnis starten“ tippen. Das Smartphone langsam über den Boden bewegen, bis die Umgebung erkannt ist. Danach erscheint das Kunstwerk als 3D-Animation im Raum. Sound aktivieren für ein immersives Erlebnis. Das Artwork kann mit zwei Fingern skaliert werden.
The installation is freely accessible in public space around Kunsthalle Wien Karlsplatz from 5 May 2025. The three artworks can be experienced in Augmented Reality via the K1_ARt App on your own smartphone.
Select an artwork on the interactive map and tap “Start AR experience.” Point your smartphone at the floor and move it slowly until the surroundings are recognised. The artwork appears as a 3D animation in space. Activate sound for full immersion. Scale the artwork with two fingers.
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Vienna Digital Cultures – „Model Collapse“
Vom 5. bis 18. Mai 2025 findet das neue Medienkunstfestival Vienna Digital Cultures statt – eine Initiative von FOTO ARSENAL WIEN und Kunsthalle Wien, kuratiert von Nadim Samman. Unter dem Festivalmotto „Model Collapse“ reflektiert das Programm die zunehmende Instabilität gesellschaftlicher, ökologischer und technologischer Systeme – mit Ausstellungen, Performances und Diskursen an mehreren Orten Wiens.
Kultur 1 ist Teil dieses internationalen Festivals und präsentiert im öffentlichen Raum rund um und in der Kunsthalle Wien Karlsplatz die AR-Installation //ONTOLOGICAL_GLITCH://.
Vienna Digital Cultures – “Model Collapse”
From 5 to 18 May 2025, the new media art festival Vienna Digital Cultures takes place – an initiative of FOTO ARSENAL WIEN and Kunsthalle Wien, curated by Nadim Samman. Under the festival theme “Model Collapse,” the programme reflects the growing instability of social, ecological, and technological systems – through exhibitions, performances, and discourses across multiple locations in Vienna.
Kultur 1 is part of this international festival, presenting the AR installation //ONTOLOGICAL_GLITCH:// in and around Kunsthalle Wien Karlsplatz.
//ONTOLOGICAL_GLITCH:// ist ein Gedankenspiel über Wahrnehmung und Kontrolle – und über die Vorstellung, dass KI längst ihre eigene Realität geschaffen hat.
//ONTOLOGICAL_GLITCH:// is a thought experiment about perception and control – and the idea that AI has long since created its own reality.
Catherine SpetUnsere Installation ist kein Kommentar – sie ist ein Impuls. Sie lädt ein, das Digitale nicht als Gegensatz, sondern als Erweiterung des Realen zu begreifen.
Our installation is not a commentary – it is an impulse. It invites us to understand the digital not as the opposite, but as an extension of the real.
Markus Wintersberger
- 05.–18.05.2025Premiere — Vienna Digital Cultures “Model Collapse” | Kunsthalle Wien Karlsplatz
- 11.05.2025Führung durch die Ausstellung „Model Collapse“ mit AR Tour · 12:00 · TicketsGuided tour through “Model Collapse” with AR tour · 12:00 · Tickets
- 18.05.2025Führung durch die Ausstellung „Model Collapse“ mit AR Tour · 12:00 · TicketsGuided tour through “Model Collapse” with AR tour · 12:00 · Tickets
Kultur 1 – Plattform für Kunst, Diskurs und Öffentlichkeit
Kultur 1 ist ein transdisziplinärer Verein mit Sitz im 1. Wiener Gemeindebezirk, der an der Schnittstelle von Kunst, Theorie und Vermittlung agiert. Der Verein initiiert ortsspezifische Projekte im öffentlichen Raum und versteht sich als Plattform für künstlerische Praxis, gesellschaftliche Reflexion und kulturelle Teilhabe.
Neben groß angelegten Vorhaben wie dem Projekt „Vdonaukanal – Virtuelle Galerie für erweiterte Kunst im Stadtraum“ (2024–2026) entwickelt Kultur 1 ein vielschichtiges Programm aus Ausstellungen, Konzerten, Workshops und diskursiven Formaten. Im Zentrum steht das Zusammenspiel von digitalen und analogen Ausdrucksformen, von lokaler Verankerung, internationaler Kooperation und urbaner Resonanz.
Kultur 1 – Platform for Art, Discourse and Public Space
Kultur 1 is a transdisciplinary association based in Vienna's 1st district, operating at the intersection of art, theory, and cultural mediation. The association initiates site-specific projects in public space and sees itself as a platform for artistic practice, societal reflection, and cultural participation.
In addition to large-scale initiatives such as “Vdonaukanal – Virtual Gallery for Expanded Art in Urban Space” (2024–2026), Kultur 1 develops a multifaceted programme that includes exhibitions, concerts, workshops, and discursive formats – at the intersection of digital and analog forms of expression, local anchoring, and international cooperation.
//ONTOLOGICAL_GLITCH:// wurde von Kultur 1 initiiert und mit Unterstützung der Wien Holding realisiert.
K1 wird unterstützt von Stadt Wien Kultur, Wiener Kulturservice, Basis Kultur Wien und Wien Holding.
//ONTOLOGICAL_GLITCH:// was initiated by Kultur 1 and realised with the support of Wien Holding.
K1 is supported by Stadt Wien Kultur, Wiener Kulturservice, Basis Kultur Wien, and Wien Holding.
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